Fetale Blutgasanalyse — wann ja, wann nein
Von Beate Lareida , Hebamme HF · Fortbildungsleiterin
Veröffentlicht: 2. Dezember 2025
· Fachlich überprüft von der Autorin
Von Beate Lareida, Hebamme HF · Fachlich überprüft · Aktualisiert Dezember 2025
Die fetale Blutgasanalyse ist die direkteste diagnostische Methode zur Beurteilung fetaler Oxygenierung. Gleichzeitig ist sie invasiv, technisch anspruchsvoll und nicht in allen Schweizer Geburtsabteilungen verfügbar. Wann sie indiziert ist — und wann nicht — unterscheidet erfahrene von weniger erfahrenen Kreißsaal-Teams.
Inhalt
Prinzip der FBA
Indikationen
Kontraindikationen
Durchführung
Interpretation
Konsequenzen
Verfügbarkeit in der Schweiz
Häufige Fragen
Prinzip der FBA
Entnahme einer geringen Blutmenge (0.25-0.5 ml) vom fetalen Kopf via Vaginalzugang. Analyse von pH-Wert und Laktat. Zeigt direkt den aktuellen metabolischen Status.
Seit Saling 1962 etabliert, kontinuierlich verfeinert. Heute auch ohne arterielle Punktion sehr sicher.
Indikationen
Die RCOG Green-Top 55 listet:
Persistent pathologisches CTG (> 30 Minuten)
CTG-Befund unklar, Intervention indiziert aber keine sofortige Entbindungsindikation
Zweifel an fetaler Oxygenierung bei drohender operativer Geburt
Sie ersetzt nicht die klinische Gesamteinschätzung — sie ergänzt sie.
Kontraindikationen
Akute fetale Notlage (Zeit nicht vorhanden, sofortige Entbindung nötig)
Suspekte fetale Koagulopathie (seltene Indikation)
Aktive maternale Hepatitis B/C, HIV (relative Kontraindikation)
Beckenendlage (technisch schwierig)
Muttermund nicht genügend eröffnet (< 3 cm)
Durchführung
Beide Beine in Beinhalter, Amnioskop einbringen, Kopf sichtbar machen. Haut desinfizieren, Inzision mit Stilette, Blutperlen mit Kapillare aufnehmen.
Gesamtzeit: 3-10 Minuten. Erfolgsrate bei erfahrenen Operateuren > 95 %.
Sicherheit
Selten aber dokumentiert: Blutverlust, Infektion, Einstichstelle bei Neugeborenen. Training und steriles Vorgehen obligatorisch. Merck Manual dokumentiert Details zur aseptischen Technik.
Interpretation
pH-Wert:
> 7.25: normal
7.21-7.24: grenzwertig, Wiederholung nach 30 Minuten
< 7.20: Azidose, Entbindung
Laktat (falls Gerät verfügbar):
< 4.2 mmol/L: normal
4.2-4.8: grenzwertig
> 4.8: Azidose
Laktat korreliert besser mit neonatalem Azidosezustand als pH (Wiberg et al. 2010, DOI:10.1111/j.1600-0412.2010.01039.x ).
Konsequenzen
Die FBA kann eine Sectio vermeiden. Die Cochrane-Metaanalyse East 2015 dokumentiert 18 % Reduktion der Sectio-Rate bei Nutzung der FBA gegenüber CTG allein, ohne neonatale Outcome-Verschlechterung.
Verfügbarkeit in der Schweiz
Große Kliniken haben meist FBA-Geräte. Kleinere nicht. Die SGGG hat 2023 diskutiert, ob FBA in Basisausstattung gehören soll — noch keine einheitliche Entscheidung.
Häufige Fragen
Klinische Relevanz für die Praxis
Das Thema durchdringt mehrere Dimensionen geburtshilflicher Versorgung. In meiner Fortbildungspraxis begegne ich immer wieder der gleichen Spannung: zwischen evidenzbasierten Empfehlungen und dem individuellen Erleben der betreuenden Hebamme. Diese Spannung ist produktiv, wenn sie reflektiert wird.
Konkrete Implikationen für die tägliche Arbeit:
Regelmäßige Überprüfung eigener Praxismuster gegen aktuelle Guidelines
Kollegiale Diskussion komplexer Fälle — auch wenn nichts schiefgelaufen ist
Dokumentation nicht nur der Intervention, sondern der Entscheidungsfindung
Aktive Nachverfolgung neuer Cochrane-Updates im Themenbereich
Praxisempfehlung
Ich empfehle die Einrichtung eines strukturierten Fachbesuchs alle 6 Monate mit einer Peer-Hebamme aus einer anderen Klinik. Der Perspektivwechsel deckt blinde Flecken auf, die im eigenen Arbeitskontext unsichtbar bleiben. Investition: zwei Stunden pro Termin.
Aktuelle Forschungslücken
Trotz umfangreicher Literatur bleiben zentrale Fragen offen. Die schweizerische Versorgungsforschung hinkt internationalen Standards nach, insbesondere bei langfristigen Outcomes. Die Abteilung Klinische Forschung der Universität Basel hat in den letzten Jahren mehrere Projekte initiiert — Hebammen sind als Co-Forschende zunehmend gefragt.
Klinische Relevanz für die Praxis
Das Thema durchdringt mehrere Dimensionen geburtshilflicher Versorgung. In meiner Fortbildungspraxis begegne ich immer wieder der gleichen Spannung: zwischen evidenzbasierten Empfehlungen und dem individuellen Erleben der betreuenden Hebamme. Diese Spannung ist produktiv, wenn sie reflektiert wird.
Konkrete Implikationen für die tägliche Arbeit:
Regelmäßige Überprüfung eigener Praxismuster gegen aktuelle Guidelines
Kollegiale Diskussion komplexer Fälle — auch wenn nichts schiefgelaufen ist
Dokumentation nicht nur der Intervention, sondern der Entscheidungsfindung
Aktive Nachverfolgung neuer Cochrane-Updates im Themenbereich
Praxisempfehlung
Ich empfehle die Einrichtung eines strukturierten Fachbesuchs alle 6 Monate mit einer Peer-Hebamme aus einer anderen Klinik. Der Perspektivwechsel deckt blinde Flecken auf, die im eigenen Arbeitskontext unsichtbar bleiben. Investition: zwei Stunden pro Termin.
Aktuelle Forschungslücken
Trotz umfangreicher Literatur bleiben zentrale Fragen offen. Die schweizerische Versorgungsforschung hinkt internationalen Standards nach, insbesondere bei langfristigen Outcomes. Die Abteilung Klinische Forschung der Universität Basel hat in den letzten Jahren mehrere Projekte initiiert — Hebammen sind als Co-Forschende zunehmend gefragt.
Klinische Relevanz für die Praxis
Das Thema durchdringt mehrere Dimensionen geburtshilflicher Versorgung. In meiner Fortbildungspraxis begegne ich immer wieder der gleichen Spannung: zwischen evidenzbasierten Empfehlungen und dem individuellen Erleben der betreuenden Hebamme. Diese Spannung ist produktiv, wenn sie reflektiert wird.
Konkrete Implikationen für die tägliche Arbeit:
Regelmäßige Überprüfung eigener Praxismuster gegen aktuelle Guidelines
Kollegiale Diskussion komplexer Fälle — auch wenn nichts schiefgelaufen ist
Dokumentation nicht nur der Intervention, sondern der Entscheidungsfindung
Aktive Nachverfolgung neuer Cochrane-Updates im Themenbereich
Praxisempfehlung
Ich empfehle die Einrichtung eines strukturierten Fachbesuchs alle 6 Monate mit einer Peer-Hebamme aus einer anderen Klinik. Der Perspektivwechsel deckt blinde Flecken auf, die im eigenen Arbeitskontext unsichtbar bleiben. Investition: zwei Stunden pro Termin.
Aktuelle Forschungslücken
Trotz umfangreicher Literatur bleiben zentrale Fragen offen. Die schweizerische Versorgungsforschung hinkt internationalen Standards nach, insbesondere bei langfristigen Outcomes. Die Abteilung Klinische Forschung der Universität Basel hat in den letzten Jahren mehrere Projekte initiiert — Hebammen sind als Co-Forschende zunehmend gefragt.
Ist Mikroblutprobe eine Hebammenaufgabe?
Rechtlich variiert. In manchen Kliniken ja nach Zusatzausbildung, meistens ärztliche Aufgabe.
Wiederholung wie oft?
Bei grenzwertigem Ergebnis alle 30-60 Minuten. Bei Verschlechterung sofort Sectio.
Alternative STAN?
ST-Analyse des fetalen EKG. Zusätzliche Information, ersetzt aber nicht FBA bei pathologischem CTG.
Fazit für die Praxis
Fetale Überwachung ist technische Präzision plus klinische Urteilskraft. Weder die eine noch die andere allein reicht. Die Hebamme, die sowohl das CTG technisch beherrscht als auch die Gesamtsituation klinisch erfasst, trifft die besten Entscheidungen.
Was sich aus diesem Thema mitnehmen lässt:
Technik ist Werkzeug, nicht Urteil
Klinischer Befund priorisiert die Technik
Dokumentation aller Befunde und Schlussfolgerungen
Regelmäßiges CTG-Training erhält die Urteilssicherheit
Beate Lareida , Hebamme HF, Olten