Fetale Blutgasanalyse — wann ja, wann nein

Die fetale Blutgasanalyse ist die direkteste diagnostische Methode zur Beurteilung fetaler Oxygenierung. Gleichzeitig ist sie invasiv, technisch anspruchsvoll und nicht in allen Schweizer Geburtsabteilungen verfügbar. Wann sie indiziert ist — und wann nicht — unterscheidet erfahrene von weniger erfahrenen Kreißsaal-Teams.

Prinzip der FBA

Entnahme einer geringen Blutmenge (0.25-0.5 ml) vom fetalen Kopf via Vaginalzugang. Analyse von pH-Wert und Laktat. Zeigt direkt den aktuellen metabolischen Status.

Seit Saling 1962 etabliert, kontinuierlich verfeinert. Heute auch ohne arterielle Punktion sehr sicher.

Indikationen

Die RCOG Green-Top 55 listet:

  • Persistent pathologisches CTG (> 30 Minuten)
  • CTG-Befund unklar, Intervention indiziert aber keine sofortige Entbindungsindikation
  • Zweifel an fetaler Oxygenierung bei drohender operativer Geburt

Sie ersetzt nicht die klinische Gesamteinschätzung — sie ergänzt sie.

Kontraindikationen

  • Akute fetale Notlage (Zeit nicht vorhanden, sofortige Entbindung nötig)
  • Suspekte fetale Koagulopathie (seltene Indikation)
  • Aktive maternale Hepatitis B/C, HIV (relative Kontraindikation)
  • Beckenendlage (technisch schwierig)
  • Muttermund nicht genügend eröffnet (< 3 cm)

Durchführung

Beide Beine in Beinhalter, Amnioskop einbringen, Kopf sichtbar machen. Haut desinfizieren, Inzision mit Stilette, Blutperlen mit Kapillare aufnehmen.

Gesamtzeit: 3-10 Minuten. Erfolgsrate bei erfahrenen Operateuren > 95 %.