Sonographie in der Geburtshilfe — praktische Anwendung

Point-of-care Ultrasound (POCUS) ist kein Gynäkologen-Monopol mehr. In modernen Kreißsälen gehört intrapartale Sonographie zur Basis-Diagnostik, und gut ausgebildete Hebammen beherrschen fokussierte Untersuchungen. Die technischen Geräte sind günstiger geworden, die Schulungsmöglichkeiten erweitert.

Indikationen im Kreißsaal

Typische Anwendungen:

  • Bestätigung der Kindslage bei unklarer Befundlage
  • Fruchtwassermenge bei Fragestellung Oligohydramnion/Polyhydramnion
  • Plazentalokalisation bei vorgehender Plazenta
  • Herzaktion bei klinisch auffälliger Ruhe

Die Schweiz. Gesellschaft für Pränatal- und Perinatalmedizin hat Basis-POCUS-Kurse für Hebammen etabliert.

Basis-Untersuchungen

Fokussiert:

  • Herzaktion (einfach erkennbar)
  • Kindslage (Kopf/Beckenendlage)
  • Fruchtwasser (SDP/AFI grobe Abschätzung)
  • Plazenta-Position grob

Keine biometrische Vermessung oder Anomaliediagnostik — das bleibt Pränatalmediziner-Kompetenz.

Lagediagnostik

Schädellage oder Beckenendlage schnell identifizierbar. Bei Zweifeln vor Entscheidung zur Amniotomie oder operativer Entbindung kurze Kontrolle.

Fruchtwassermenge

Amniotic Fluid Index (AFI) oder Single Deepest Pocket (SDP). AFI Summe der Fruchtwassertiefen in vier Quadranten. SDP: tiefste einzelne Tasche.

  • AFI < 5 cm oder SDP < 2 cm: Oligohydramnion
  • AFI 5-25 cm: normal
  • AFI > 25 cm oder SDP > 8 cm: Polyhydramnion

Plazenta-Lokalisation

Bei Blutung oder Kaiserschnittanamnese dringende Frage. Transabdominal orientierend, transvaginal präzise bei distaler Plazenta.